Wenn über die Abnehmspritze gesprochen wird, fallen meist drei Namen: Ozempic, Wegovy und Mounjaro. In Medien, Foren und im Bekanntenkreis werden sie oft in einen Topf geworfen, dabei stecken unterschiedliche Wirkstoffe, unterschiedliche Hersteller und unterschiedliche Zulassungen dahinter. Wer verstehen will, worüber gerade gesprochen wird, braucht zuerst Klarheit darüber, welches Mittel was ist. Dieser Artikel ordnet die drei Präparate sachlich ein: Wirkstoff, Wirkmechanismus, Zulassung, Kosten in Deutschland und was sich gerade in der Entwicklung tut. Eine Vorbemerkung vorweg: All das sind verschreibungspflichtige Arzneimittel, die in die Hand einer Ärztin oder eines Arztes gehören.

Welcher Wirkstoff steckt hinter Ozempic, Wegovy und Mounjaro?

Die Markennamen sagen wenig über die Substanz aus, die tatsächlich wirkt. Ozempic und Wegovy enthalten denselben Wirkstoff: Semaglutid. Beide stammen vom dänischen Hersteller Novo Nordisk. Mounjaro enthält einen anderen Wirkstoff, Tirzepatid, und kommt vom US-Unternehmen Eli Lilly. Schon hier zeigt sich, warum die Gleichsetzung der drei Namen in die Irre führt: Zwei davon sind im Kern dasselbe Medikament unter verschiedenen Marken, das dritte ist ein eigenständiger Wirkstoff.

Ozempic ist primär zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen. Dass es beim Abnehmen bekannt geworden ist, liegt an einem Nebeneffekt: Patientinnen und Patienten verloren unter der Behandlung Gewicht. In der Folge wurde Ozempic teils außerhalb seiner Zulassung verschrieben, also off-label, allein zur Gewichtsreduktion. Ein Off-Label-Einsatz erfolgt außerhalb des geprüften und zugelassenen Anwendungsgebiets und liegt in der Verantwortung der behandelnden Ärztin oder des Arztes.

Wegovy ist die Antwort von Novo Nordisk auf genau diese Lücke. Es enthält denselben Wirkstoff Semaglutid, ist aber gezielt zur Behandlung von Adipositas zugelassen, also für die Gewichtsreduktion bei stark übergewichtigen Menschen. In der Europäischen Union ist Wegovy seit Anfang 2022 zugelassen, in Deutschland ist es seit Mitte 2023 verfügbar. Wer also über die Spritze speziell zum Abnehmen spricht, meint streng genommen Wegovy, nicht Ozempic.

Mounjaro ist der jüngste der drei Namen und beruht auf Tirzepatid. Dieser Wirkstoff arbeitet über einen zusätzlichen Ansatzpunkt im Körper und hat in Studien eine stärkere Gewichtsreduktion gezeigt als Semaglutid. Mehr dazu im nächsten Abschnitt, denn der Unterschied im Wirkmechanismus ist der eigentliche Grund für die unterschiedlichen Ergebnisse.

Wie unterscheiden sich die Abnehmspritzen im Wirkmechanismus?

Semaglutid gehört zur Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten. GLP-1 steht für ein körpereigenes Darmhormon, das nach dem Essen ausgeschüttet wird. Der Wirkstoff ahmt dieses Hormon nach und greift damit an mehreren Stellen ein: Er verstärkt das Sättigungsgefühl, verlangsamt die Magenentleerung und senkt den Appetit. In der Summe essen Betroffene weniger, oft deutlich weniger. In Untersuchungen sank die Energieaufnahme um bis zu 40 %.

Tirzepatid, der Wirkstoff in Mounjaro, geht einen Schritt weiter. Es wirkt nicht nur am GLP-1-Rezeptor, sondern zusätzlich an einem zweiten Rezeptor namens GIP. Deshalb spricht man von einem dualen Wirkmechanismus. Diese doppelte Wirkung gilt als ein Grund dafür, warum Tirzepatid in Studien zu einer stärkeren Gewichtsreduktion geführt hat als Semaglutid allein.

Wichtig für das Verständnis: Eine stärkere Wirkung in Studien ist keine Aussage darüber, was für einen einzelnen Menschen das richtige Mittel ist. Verträglichkeit, Vorerkrankungen, Begleitmedikation und das individuelle Therapieziel spielen eine ebenso große Rolle. Welches Präparat geeignet ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der Arzt, nicht die Studienlage auf dem Papier.

Was kostet die Abnehmspritze in Deutschland und braucht man ein Rezept?

Alle drei Präparate sind verschreibungspflichtig. Ohne Rezept gibt es sie nicht, und das aus gutem Grund: Dosierung, Verträglichkeit und mögliche Risiken müssen ärztlich begleitet werden. Der entscheidende Punkt für viele ist aber die Kostenfrage, und hier wird oft ungenau berichtet.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Abnehmspritze nicht, wenn sie allein zur Gewichtsreduktion eingesetzt wird. Wer ohne medizinische Zusatzindikation abnehmen möchte, braucht ein Privatrezept und zahlt selbst. Anders sieht es bei einer Diabetes-Erkrankung aus: Hier ist eine Verordnung auf Kassenrezept möglich, weil das Medikament dann zur Behandlung der Grunderkrankung dient.

Für Selbstzahler, und immer nur auf ärztliche Verordnung, unterscheiden sich die Kosten je nach Präparat und Dosis. Die monatlichen Kosten starten bei rund 276 Euro für Wegovy und bei rund 490 Euro für Mounjaro. Das sind laufende Kosten, denn die Therapie ist auf Dauer angelegt. Nach dem Absetzen nehmen die meisten Menschen wieder zu, das gehört zu den unangenehmen Wahrheiten dieser Behandlung. Was nach dem Absetzen passiert und wie sich der Jojo-Effekt begrenzen lässt, behandelt ein eigener Artikel der Serie.

Was entwickelt sich gerade bei den Abnehmmedikamenten?

Das Feld bewegt sich schnell, und einige Entwicklungen sind bereits Realität oder stehen kurz davor. Orales Semaglutid ist dabei nicht grundsätzlich neu: Als Rybelsus wird der Wirkstoff bereits seit rund 2020 in Tablettenform zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt. Neu ist eine höher dosierte Variante von Novo Nordisk, die gezielt zur Gewichtsreduktion entwickelt wurde, also der Wirkstoff aus Ozempic und Wegovy als Tablette statt als Spritze. Damit ein solcher Wirkstoff im Magen-Darm-Trakt überhaupt ausreichend aufgenommen wird, braucht es eine spezielle Absorptionstechnologie.

Bei Eli Lilly wird an Orforglipron gearbeitet, einem oralen GLP-1-Wirkstoff einer anderen Bauart. Es handelt sich um ein sogenanntes Small Molecule, das anders als die bisherigen Wirkstoffe ohne Nüchtern- oder Einnahmebeschränkungen auskommen soll. Eine Zulassung gilt im Verlauf von 2026 als möglich, ist aber noch nicht abschließend entschieden.

Weiter hinten in der Pipeline stehen zwei Kandidaten mit hohen Erwartungen. Retatrutide von Eli Lilly ist ein sogenannter Triple-Agonist, der an drei Rezeptoren gleichzeitig ansetzt. In frühen Studiendaten zeigte sich eine Gewichtsreduktion in Richtung 24 bis 26 %. CagriSema von Novo Nordisk kombiniert zwei Wirkstoffe und erreichte in Studien rund 20 % Gewichtsreduktion nach 68 Wochen, eine regulatorische Entscheidung wird 2026 erwartet.

Diese Zahlen klingen beeindruckend, sollten aber nüchtern gelesen werden. Frühe Studiendaten sind kein Versprechen für den Markt, und eine höhere Gewichtsreduktion bedeutet nicht automatisch ein besseres Sicherheitsprofil. Was sich davon durchsetzt und wie es sich im breiten Einsatz bewährt, wird sich erst zeigen.

Welche Nebenwirkungen und Risiken sind bekannt?

Die häufigsten Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl, Durchfall und Verstopfung. Sie treten meist zu Behandlungsbeginn und nach einer Dosissteigerung auf und gehen im Verlauf oft zurück. Eine langsame, schrittweise Steigerung der Dosis verbessert in der Regel die Verträglichkeit, weshalb die Begleitung durch eine Ärztin oder einen Arzt auch hier zentral ist. Wie sich diese Nebenwirkungen je nach Wirkstoff bemerkbar machen und wie eine kluge Ernährung durch die Umstellungsphase hilft, zeigt der Artikel zu Nebenwirkungen und Ernährung.

Seltenere, aber ernstere Risiken sind laut Zulassungsunterlagen und Studien unter anderem eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, Gallenblasenerkrankungen und eine durch Flüssigkeitsmangel bedingte Nierenschädigung. Einordnend ist wichtig: Große Übersichtsarbeiten stützen kein generelles Pankreatitis-Risiko der gesamten Wirkstoffklasse, und ein rascher Gewichtsverlust ist für sich genommen bereits ein Risikofaktor für Gallenprobleme.

Beim Thema Schilddrüse gibt es Hinweise, dass Semaglutid den TSH-Wert senken kann. In Tierversuchen mit Nagern traten C-Zell-Tumoren der Schilddrüse auf, beim Menschen ist dieser Zusammenhang bislang nicht bestätigt. Solche Daten ehrlich zu benennen heißt auch, ihre Grenzen klar zu machen: Tierdaten lassen sich nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen.

Ein Punkt zieht sich durch alle Risikoabwägungen: Die Langzeitdaten sind begrenzt. Die längsten kontrollierten Studiendaten reichen bei Semaglutid etwa vier Jahre zurück, bei Tirzepatid etwa zwei Jahre. Über die Wirkung und Sicherheit über Jahrzehnte hinweg lässt sich entsprechend wenig Belastbares sagen. Auch das ist ein Grund, die Behandlung als ärztlich begleitete Entscheidung zu verstehen und nicht als Lifestyle-Produkt.

FAQ

Sind Ozempic und Wegovy dasselbe?

Ozempic und Wegovy enthalten beide den Wirkstoff Semaglutid und stammen beide von Novo Nordisk. Der Unterschied liegt in der Zulassung: Ozempic ist primär zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen, Wegovy ist gezielt zur Behandlung von Adipositas freigegeben. Beim reinen Abnehmen wird Ozempic häufig off-label genutzt, während Wegovy dafür die zugelassene Variante ist. Welches Präparat infrage kommt, klärt die ärztliche Behandlung.

Was ist der Unterschied zwischen Mounjaro und Ozempic?

Der wichtigste Unterschied liegt im Wirkstoff. Ozempic enthält Semaglutid und wirkt am GLP-1-Rezeptor. Mounjaro enthält Tirzepatid und wirkt zusätzlich am GIP-Rezeptor, hat also einen dualen Wirkmechanismus. In Studien führte Tirzepatid zu einer stärkeren Gewichtsreduktion als Semaglutid. Beide sind verschreibungspflichtig, und die Wahl trifft die behandelnde Ärztin oder der Arzt.

Welche Abnehmspritze wirkt am stärksten?

Nach den vorliegenden Studien und den bei der Zulassungsbehörde EMA hinterlegten Daten zeigte Tirzepatid, der Wirkstoff in Mounjaro, eine stärkere Gewichtsreduktion als Semaglutid. Eine stärkere Wirkung in Studien sagt aber nichts darüber aus, welches Mittel für einen einzelnen Menschen das beste ist: Am stärksten heißt nicht automatisch für dich am besten. Verträglichkeit, Vorerkrankungen und das Therapieziel sind ebenso entscheidend, und diese Abwägung entscheidet die ärztliche Begleitung, nicht ein Vergleich auf eigene Faust.

Zahlt die Krankenkasse die Abnehmspritze?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Abnehmspritze nicht, wenn sie allein zur Gewichtsreduktion eingesetzt wird. In diesem Fall braucht es ein Privatrezept, und die Kosten trägt man selbst. Bei einer Diabetes-Erkrankung ist eine Verordnung auf Kassenrezept möglich, weil das Medikament dann der Behandlung der Grunderkrankung dient.

Was kostet die Abnehmspritze pro Monat?

Als Selbstzahler und immer nur auf ärztliche Verordnung unterscheiden sich die Kosten je nach Präparat und Dosis. Die monatlichen Kosten starten bei rund 276 Euro für Wegovy und bei rund 490 Euro für Mounjaro. Da die Therapie auf Dauer angelegt ist, handelt es sich um laufende Kosten. Nach dem Absetzen nehmen die meisten Menschen wieder zu.

Gibt es die Abnehmspritze auch als Tablette?

Ja, den Wirkstoff Semaglutid gibt es auch in Tablettenform. Als Rybelsus wird er bereits seit rund 2020 zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt; neu ist eine höher dosierte Variante, die gezielt zur Gewichtsreduktion entwickelt wurde. Damit der Wirkstoff aufgenommen wird, kommt eine spezielle Absorptionstechnologie zum Einsatz. Weitere orale Wirkstoffe wie Orforglipron befinden sich in der Entwicklung, eine Zulassung steht hier noch aus. Auch eine Tablette bleibt ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel.

So liest du diese Serie weiter

Dieser Artikel ordnet nur die Medikamente selbst ein. Wie eine Behandlung sinnvoll begleitet wird, was bei Ernährung, Nährstoffversorgung und Muskelerhalt zu beachten ist, behandeln die anderen Artikel der Serie. Den Überblick gibt der vollständige Guide zur Abnehmspritze.

Wer wissen will, welche Vitamine und Mineralstoffe unter der Behandlung knapp werden können, findet die Einordnung im Artikel zum Nährstoffmangel unter der Abnehmspritze. Welche Nahrungsergänzung in diesem Zusammenhang fachlich begründet ist und welche nur Hype, klärt der Artikel zu Supplements unter der Abnehmspritze.

Disclaimer:

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt oder Apotheker. Die hier bereitgestellten Informationen sollten nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Bei Gesundheitsfragen oder -beschwerden konsultiere bitte immer einen Arzt deines Vertrauens. Fifty Five übernimmt keine Haftung für Unannehmlichkeiten oder Schäden, die sich aus der Anwendung der hier dargestellten Information ergeben.

Bild:

Symbolbild. Die gezeigten Pens sind beispielhafte Darstellungen und keine offiziellen Produktabbildungen.

Quellen

  1. Verbraucherzentrale: Abnehmspritzen, häufige Fragen und Antworten zum Trend
  2. EMA, EPAR Wegovy (Semaglutid)
  3. EMA, EPAR Ozempic (Semaglutid)
  4. EMA, EPAR Mounjaro (Tirzepatid)
  5. EMA, EPAR Saxenda (Liraglutid)
  6. Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG): S3-Leitlinie Adipositas (AWMF 050-001)

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